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Pfarrer

Pfarrer „im Ruhestand“

Kriegserfahrungen und all das damit verbundene Leid prägen Menschen tief und die Frage ist immer, wie man damit umgeht. Dieser Pfarrer hat sich nach seiner Zeit beim Militär bewusst gegen kriegerische Aus¬einander¬setzung entschieden, hat sein Abitur nachgeholt und Theologie studiert, um in den Dienst Gottes zu treten. Er bereut es nicht und betont immer wieder die vielen emotionalen Erfahrungen, die er in seinem Beruf machen durfte und die ihm das Leben bereicherten. Er spricht hier auch über unsere heutige Gesellschaft, welche aus seiner Sicht in emotionaler Armut lebt und ihre Gesprächskultur verloren hat.

Er ist Ende siebzig, arbeitete mehr als fünfzig Jahre als katholischer Pfarrer und ist erst seit sechs Jahren im Ruhestand. Sein Vater war Handelsvertreter und wünschte sich, ein Arzt als Sohn. Weil jedoch diesem Pfarrer „die Herzen zuflogen", fiel ihm die Entscheidung zum Beruf innerhalb der Kirche nicht schwer. Nun wohnt er in einem Haus, in dem sechs weitere ehemalige Pfarrer leben. Dort findet das Interview in einem kleinen Raum des ersten Obergeschosses statt. Es liegen duzende Haufen von Papieren und Büchern herum. Während des Gesprächs kommt es immer wieder zu kurzen Unter¬brechungen, weil Leute unten an der Haustür klingeln.

 


Germanist

Schaffender Germanist in Rente

Germanistik wird von manchen Menschen als brotlose Kunst bezeichnet. Dieser in Deutschland lebende US-Amerikaner entschied sich für das Studium und würde sich über solch ein Klischee empören, wenngleich er sich lange Zeit nach der Universität durch Brotarbeiten über Wasser gehalten hat, die seiner Berufung überhaupt nicht entsprachen. Bis ihm dann eine fällige Lebensversicherung die Möglichkeit eröffnete, ein nicht von anderen unterstütztes Projekt in Eigenregie weiterzuführen ...

Er ist Ende sechzig, getrennt lebend und hat zwei Kinder. Wir treffen uns in seiner kleinen Zweizimmerwohnung, in der jede Ecke mit Gegenständen gefüllt ist. Auf dem Boden sind unterschiedliche Stapel mit Literatur und in den Regalen an der Wand Reihen von Büchern. Dazwischen liegen Karteien, Notizen und sonstige Blätter sowie an einer noch freien Stelle im Raum ein behängter Kleidertrockner. Der Fokus eines jeden Besuchers richtet sich je­doch auf die drei nebeneinander stehenden Computer, zwischen welchen Manuskripthalter und Bücherständer das Ablesen von alten Handschriften eines großen deutschen Schriftstellers, die ein Laie wohl eher als Hiero­glyphen bezeichnen würde, erleichtern. An der Wand neben den Computern hängen Startnummern und Erinnerungsbilder von Marathonläufen. 


Autohändler (vollständig)

Autohändler

Um als Autohändler auf dem Markt zu agieren, braucht man ein dickes Fell. Schwankende Absätze und drohende Konkurrenz im Internet setzen dem Geschäft schwer zu. Diese beiden Autohändler haben sich über die Jahre einen kleinen Autoverkaufsplatz aufgebaut. Sie arbeiten zusammen und teilen sich Grundstück und Miete - ihre Zufriedenheit mit dem Job unterscheidet sich aber in mancher Hinsicht.

Der Verkaufsplatz ist ein einfach gehalten und neben einer befahrenen Straße gelegen. Auf dem Platz steht eine Vielzahl gebrauchter Autos. In der Mitte ein Baucontainer, in dem eine geordnete Unordnung herrscht. Ich setze mich auf einen halb defekten Stuhl. Trotz des vermeintlichen Chaos, wirkt der Innenraum einladend und sympathisch. Es ist ein heißer, sonniger Tag am frühen Mittag. Der eine Autohändler, hier zur leichteren Unterscheidung Autohändler 1 genannt, ist deutscher Herkunft, trägt eine kurze Hose, T-Shirt und erzählt vor dem Interview von seinem Fischfang (Hecht) am vorherigen Tag. Der andere Autohändler, hier Autohändler 2 genannt, ist türkischer Abstammung, spricht mit etwas Akzent und trägt Jeans in Kombination mit einem Muscleshirt.


Hausfrau und Unternehmerin

Diese Hausfrau hat neben ihrem Vollzeit-Job, der Erziehung ihrer Kinder, zugleich stets ihrem Ehemann bei der Buchhaltung seiner Firma geholfen und darüber hinaus selbst ein kleines Gewerbe mit einer eigenen, patentierten Erfindung gegründet. Inspiriert durch ein stinkendes Kirschkern-Kissen suchte sie Zutaten für neuartige Kissen und hat mittlerweile sowohl in Deutschland, als auch in Amerika einen Absatzmarkt gefunden. Sie erzählt hier von Ihrer Ausbildung, der Arbeit im Unternehmen ihres Mannes und über ihr eigenes Gewerbes. Speziell geht sie noch auf interkulturelle Unterschiede beim Vertrieb Ihrer Produkte ein.

Sie ist Mitte vierzig, verheiratet und hat fünf Kinder. Das Gespräch findet bei ihr Zuhause statt. In der Wohnung ist kaum zu übersehen, dass ihr Mann Schreiner ist, da alles, was aus Holz gefertigt werden kann, dort selbst ge­schreinert wurde: Tisch, Stühle, Einbauschränke, Küche etc.


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